Dies ist nicht einfach ein Buch, sondern eine riesige Entdeckungsreise für jedes Kind!
| Anja Weiss (Text und
Illustrationen)
Bruder Jakob, Schwester Jana Ein Vorlesevergnügen
für Kinder ab 4
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Jana ist ein Heimkind - irgendwo auf der Welt. Jakob ist ein typisches Einzelkind. Noch! Denn seine Eltern suchen Abhilfe. Aus Jakob und Jana sollen Bruder und Schwester werden. Dass das nicht ganz so einfach ist, kann man sich denken...
Mit Witz und Charme erzählt Anja Weiss, selbst zweifache Mutter, die Geschichte von Jakob und Jana anschaulich in Bild und Wort. Dabei ist das Buch so gestaltet, dass es auf dreifache Art gelesen werden kann: Einmal als Geschichte von Jana, einmal als Geschichte von Jakob, oder hin- und her zwischen beiden. Die unterschiedlichen Geschichten der Hauptfiguren werden in zwei parallel laufenden Strängen jeweils aus der Perspektive eines der beiden Kinder erzählt, die erst zum Ende zu einer gemeinsamen Bildebene werden.
Anja Weiss ist selbständige Werbegrafikerin, Mutter von zwei Kindern, und sie hat schon sehr schöne Kinderbilderbücher entworfen.
Eignet sich hervorragend für Kinder ab fünf Jahren,
Rezensentin/Rezensent: aus Westfalen
Das Buch "Bruder Jakob, Schwester
Jana" behandelt das Thema Auslandsadoption für Kinder im Grundschulalter.
Die Autorin erzählt die Geschichte der Aufnahme von Jana in Jakobs Familie
parallel aus der Perspektive beider Kinder. Die Welt des vierjährigen Jakob ist
in Ordnung. Er hat alles, was sich ein Kind wünscht: Liebevolle Eltern und Großeltern,
viele Spielsachen und ein gemütliches Zuhause. Zum Geburtstag und an den
anderen Festtagen im Jahreslauf, wie z.B. am Nikolaustag, wird er großzügig
beschenkt. Das einzige, was ihm seiner Meinung nach fehlt, ist ein Bruder zum
Spielen.
Die dreijährige Jana lebt in einem fremden Land in einem Waisenhaus. Anhand ihres Alltags wird deutlich, dass es auch Kinder gibt, die ohne Eltern aufwachsen, kaum über eigene (Spiel-) Sachen verfügen, manchmal nicht einmal genug zum Essen haben. Für ein Kind, das so lebt, ist dann ein Apfel als Geschenk zum ersten Advent etwas ganz besonderes.
Anhand des Jahreslaufs wird für die kleinen Leser nachvollziehbar aufgezeigt, dass es einige Zeit braucht, bis Jakobs Eltern ihren Entschluss, Jana ein neues Zuhause zu geben, in die Tat umsetzen und sie aus dem Heim abholen können. Nach Janas Auskunft ist es für alle, insbesondere für die Kinder, nicht ganz einfach, mit der neuen Situation zurechtzukommen. Für Jakob ist es nicht immer leicht, nicht nur die Eltern und ihre Zuwendung, sondern auch sein Zimmer mit der neuen Schwester zu teilen. Aber auch für Jana ist es nicht einfach. Nachts wird sie von Alpträumen geplagt und braucht viel Trost und Verständnis. Ein gemeinsames Erlebnis im Kinderparadies eines Möbelladens, bei dem Jana dem neuen Bruder hilfreich zur Seite steht, sorgt dafür, dass sich beide ein ganzes Stück näher kommen.
All das erzählt die Autorin behutsam und gänzlich undramatisch. Dabei sprechen die Bilder für sich. Dem Text kommt eher eine erläuternde Funktion zu. Der Aspekt, dass sich Janas Leben zuerst fern von Jakobs Welt abspielt, wird dadurch sehr gut zum Ausdruck gebracht, dass die Bilder und Texte zu Janas Geschichte mit Rahmen umgeben sind, so dass der Leser/Betrachter den Eindruck hat, den Negativstreifen eines Filmes vor sich zu haben. Erst mit der Aufnahme Janas in Jakobs Familie werden die parallel laufenden Erzählstränge analog zum Beginn des gemeinsamen Familienlebens zusammengeführt. Die Illustrationen zeigen eine Unmenge an Details und laden dazu ein, immer wieder neu auf Entdeckungsreise zu gehen und die Geschichte(n) mit eigenen Worten zu erzählen. In den Bildern werden aufmerksame Betrachter auf witzige Anspielungen, auf bekannte Marken- und Werbeartikel stoßen. Kleine Anmerkungen oder auch direkte Fragen regen die Identifikation mit Jakob und damit auch die kindliche Auseinandersetzung mit der unausgesprochenen Frage "Wie würde es mir in dieser oder jener Situation gehen?" an.
Das Buch eignet sich hervorragend, Kindern ab etwa fünf Jahren das Thema Auslandsadoption nahe zu bringen. Es wird allen Fachkräften in Adoptionsvermittlungsstellen für ihre Arbeit mit Familien mit einem ausländischen Kind empfohlen. Darüber hinaus eignet es sich für die Gruppenarbeit in Kindertagesstätten, die zum Beispiel von ausländischen Adoptivkindern besucht werden. Aber auch, wenn man von diesem thematischen Aspekt absieht, ist das Buch nicht weniger interessant; erfahren doch die kleinen Leser, dass Kinder in dieser Welt unter sehr unterschiedlichen Bedingungen aufwachsen und aufgrund dessen ihre Umwelt sowie ihre Kontakte unterschiedlich bewerten.
Ruth Schürbüscher